Mensch-Roboter-Kollaboration bei der Fördertechnik-Kommissionierung für Benelux-Lager
Personalmangel und hohe Kosten? Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) bei der fördertechnikgestützten Kommissionierung bietet eine pragmatische Lösung für Benelux-Lager, die Produktivität um bis zu 300% steigert und die Ergonomie verbessert.

Lager in den Benelux-Staaten befinden sich an einem kritischen Punkt. Eingezwängt zwischen dem unerbittlichen Druck des E-Commerce-Wachstums, einem systemischen Mangel an Fachkräften und einigen der höchsten Arbeitskosten in Europa, ist das traditionelle "Person-zu-Ware"-Kommissioniermodell nicht länger nachhaltig. Während die Vollautomatisierung die logische Konsequenz zu sein scheint, stellen ihre hohen Investitionskosten und ihre Starrheit erhebliche Hindernisse dar. Hier tritt die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) als pragmatischer und leistungsstarker Paradigmenwechsel auf den Plan, wobei Fördersysteme die entscheidende Brücke zwischen Mensch und Maschine bilden.
Definition
Im Kontext der Lagerlogistik ist die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) ein Goods-to-Person-Workflow, bei dem autonome mobile Roboter (AMRs) und Menschen in einem gemeinsamen Arbeitsbereich zusammenarbeiten. Roboter übernehmen die anstrengende und zeitaufwändige Aufgabe des Transports von Gütern, während Menschen die komplexen, hochwertigen Aufgaben der Endkommissionierung, Qualitätskontrolle und Verpackung ausführen.
Die zentrale Herausforderung: Trägheit in traditionellen Benelux-Lagern
Die klassische Person-zu-Ware-Kommissioniermethode, bei der ein Kommissionierer mit einem Wagen Gänge auf und ab geht, ist grundsätzlich ineffizient. Branchenstudien zeigen1, dass bis zu 60 % der Zeit eines Kommissionierers mit Gehen und nicht mit Kommissionieren verbracht wird. In den Benelux-Ländern – einer Region mit stündlichen Logistikarbeitskosten, die häufig 35 € übersteigen – bedeutet dies, dass ein Großteil der Ausgaben für unproduktive Bewegung anfällt.
Dieser operative Hemmschuh wird durch mehrere europäische Faktoren verstärkt:
- Arbeitskräftemangel: Der Logistiksektor in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg leidet unter einem chronischen Arbeitskräftemangel.
- Ergonomische Belastung: Das Gehen von 10-15 km pro Schicht und das wiederholte Heben von Gegenständen führt zu körperlicher Belastung, höheren Fehlzeiten und Personalfluktuation.
- Artikelvielfalt (SKU-Proliferation): Der Aufstieg des E-Commerce bedeutet, dass Lager eine ständig wachsende Vielfalt an Artikeln verarbeiten, eine Herausforderung für starre, vollautomatisierte Systeme.
Wie MRK auf Förderbändern die Lösung bietet
MRK dreht das Blatt mit einem Goods-to-Person (GTP)-Modell. Anstatt dass die Person zu den Gütern geht, werden die Güter zur Person gebracht. Das ist kein neues Konzept, aber die Implementierung mit AMRs und einfachen Förderband-Schnittstellen macht es zugänglicher und flexibler denn je.
Der MRK-Workflow in Aktion
Der Prozess ist ein Modell der Effizienz. Ein WMS (Warehouse Management System) empfängt einen Auftrag und weist ihn zu. Ein AMR wird entsandt, um eine bestimmte mobile Regaleinheit oder einen Behälter mit der benötigten SKU abzuholen. Das AMR navigiert durch die Lagerhalle und transportiert seine Nutzlast – oft zwischen 500 kg und 1.500 kg – zu einer Kommissionierstation. Hier verbindet es sich mit einem kurzen Förderband oder Rollensystem und platziert den Behälter darauf. Das Förderband erzeugt einen kleinen Puffer, der es mehreren Robotern ermöglicht, Arbeit für einen einzigen Bediener bereitzustellen. Der stationäre Bediener wird von einem Pick-to-Light-System angewiesen, den richtigen Artikel aus dem Behälter auszuwählen, zu scannen und in einen Auftragsbehälter zu legen. Sobald die Kommissionierung abgeschlossen ist, holt das AMR seinen Behälter ab und bringt das Regal zur Lagerung oder zum nächsten Ziel zurück. Der menschliche Bediener macht keinen einzigen Schritt.
Die Rolle der Förderbänder als MRK-Schnittstelle
Einfache, angetriebene Förderbänder sind die unbesungenen Helden dieses Prozesses. Sie fungieren als perfekter Übergabemechanismus zwischen Roboter und Mensch und entkoppeln deren Aufgaben. Ein kurzes (2-3 Meter) Bandförderer, der mit einer kontrollierten Geschwindigkeit von 0,2-0,5 m/s läuft, kann 2-3 Behälter puffern und so sicherstellen, dass der menschliche Bediener immer Arbeit bereithält. Dies eliminiert Wartezeiten für den Bediener und ermöglicht es der AMR-Flotte, nach einem eigenen optimierten Zeitplan zu arbeiten. Diese einfache Integration ist weitaus kostengünstiger und flexibler als komplexe robotische Übergabemechanismen.
MRK vs. traditionelle und vollständige Automatisierung: Eine Vergleichende Analyse
Manager, die ein Upgrade in Erwägung ziehen, müssen die Vor- und Nachteile verschiedener Ansätze abwägen. MRK nimmt eine strategische Mittelposition ein, die besonders gut für die dynamischen Anforderungen moderner Distributionszentren geeignet ist.
| Merkmal | Traditionell (Person-zu-Ware) | Vollständige Automatisierung (z.B. ASRS) | Mensch-Roboter-Kollaboration (GTP) |
|---|---|---|---|
| Kommissionierrate (Picks/Stunde/Bediener) | 80 - 150 | ~1.000+ (vom System) | 300 - 600 |
| Anfangsinvestition (CAPEX) | Niedrig (€) | Sehr Hoch (€€€€) | Mittel (€€) |
| Implementierungszeit | 1-2 Monate | 18-36 Monate | 4-9 Monate |
| Flexibilität & Skalierbarkeit | Hoch | Niedrig (feste Infrastruktur) | Sehr Hoch (Roboter/Stationen hinzufügen) |
| Return on Investment (ROI) | N/A | 5-10 Jahre | 2-3 Jahre |
| Handhabung diverser SKUs | Ausgezeichnet | Begrenzt durch Greifer/Technik | Ausgezeichnet |
Der Business Case für MRK in Benelux-Logistikzentren
Für Lager in den kritischen Logistikkorridoren Antwerpen, Rotterdam, Lüttich und Venlo sind die Zahlen überzeugend. Nehmen wir an, die voll belasteten Kosten eines Kommissionierers betragen 35 € pro Stunde.
- Traditioneller Kommissionierer: Bei 120 Picks pro Stunde betragen die Kosten pro Pick 35 € / 120 = 0,29 €.
- MRK-unterstützter Kommissionierer: Bei 450 Picks pro Stunde betragen die Kosten pro Pick 35 € / 450 = 0,08 €.
Dies entspricht einer erstaunlichen Reduzierung der Kosten pro Pick um 72 %. Hochgerechnet auf Millionen von Picks pro Jahr summieren sich die Einsparungen auf Millionen von Euro. Diese Berechnung berücksichtigt nicht einmal die Einsparungen durch reduzierte Kommissionierfehler, geringere Personalfluktuation und minimierte Arbeitsunfälle, die sich alle positiv auf das Endergebnis auswirken.
Implementierungsstrategie: Ein skalierbarer Ansatz
Das Schöne an MRK liegt in ihrer Modularität. Im Gegensatz zu monolithischen Automatisierungsprojekten können Sie klein anfangen und intelligent skalieren.
- Phase 1: Pilotzone. Implementieren Sie 1-2 Kommissionierstationen und eine kleine Flotte von 5-10 AMRs in einem abgegrenzten Bereich Ihres Lagers.
- Phase 2: Messen & Validieren. Verfolgen Sie KPIs akribisch über 3-6 Monate. Validieren Sie den ROI im Vergleich zu den Prognosen, wobei der Fokus auf Picks pro Stunde, Fehlerrate und Systemverfügbarkeit liegt.
- Phase 3: Hochskalieren. Basierend auf dem validierten Erfolg fügen Sie weitere Kommissionierstationen und AMRs hinzu. Da die Kerninfrastruktur flexibel ist, erfordert diese Erweiterung keine Betriebsunterbrechung.
Easy Systems: Ihr Partner für die kritische Schnittstelle
Während AMRs und Software die Intelligenz liefern, erfolgt die physikalische Interaktion zwischen Roboter und Mensch an der Fördertechnik. Diese Schnittstelle muss robust, zuverlässig und perfekt auf den Workflow abgestimmt sein. Ein schlecht konzipierter Übergabepunkt kann einen Engpass verursachen, der alle Vorteile der Robotgeschwindigkeit zunichtemacht. Hier wird die Expertise im Design von Fördersystemen entscheidend.
Bei Easy Systems sind wir spezialisiert auf das Design und die Herstellung modularer Förderlösungen, die eine nahtlose MRK-Schnittstelle bilden. Unsere Systeme sind für die spezifischen Anforderungen des europäischen Marktes konzipiert, mit Fokus auf Zuverlässigkeit, Modularität und Sicherheit. Wir verstehen, dass in einer MRK-Umgebung das Förderband nicht nur eine Kiste bewegt; es ist ein entscheidender Teil einer kollaborativen Symphonie zwischen Mensch und Maschine. Eine Partnerschaft mit einem Fördersystemspezialisten wie Easy Systems stellt sicher, dass dieses kritische Glied in Ihrer Automatisierungskette effizient, ergonomisch und zukunftssicher ist.
Häufig gestellte Fragen
Was ist MRK im Lagerkontext?+
Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) in einem Lager ist ein Goods-to-Person-Workflow, bei dem Roboter anstrengende Fahrten übernehmen und Artikel über Förderbänder zu stationären menschlichen Bedienern bringen, die die abschließenden, komplexen Kommissionieraufgaben ausführen.
Wie stark steigert MRK die Kommissioniergeschwindigkeit?+
Ein gut implementiertes MRK-System kann die Produktivität eines einzelnen Bedieners von einem traditionellen Basiswert von 80-150 Picks pro Stunde auf eine verbesserte Rate von 300-600 Picks pro Stunde steigern.
Ist Mensch-Roboter-Kollaboration günstiger als Vollautomatisierung?+
Ja. MRK-Systeme haben in der Regel eine deutlich geringere Anfangsinvestition und einen schnelleren Return on Investment (2-3 Jahre) im Vergleich zu groß angelegten, festen Infrastrukturprojekten wie einem ASRS, die einen ROI von 5-10 Jahren haben können.

The Easy Systems engineering team designs, integrates and commissions conveyor systems and warehouse automation across Belgium, the Netherlands and Luxembourg. Combined experience covers roller and belt conveyors, sorters, AGV/AMR fleets, AutoStore, shuttle AS/RS and WMS/WCS integration for distribution centers and e-commerce fulfillment operations.
- Conveyor design (roller, belt, modular plastic)
- Sortation & merge logic
- AGV / AMR fleet integration
- AutoStore & shuttle AS/RS
- WMS / WCS integration



